Tel Aviv Tech Tour 2018

MOTION on Tour: Tech Tour 2018 in Tel Aviv

MOTION bedeutet Bewegung und getreu unseres Firmennamens befinden wir uns ständig in Bewegung. Für unsere Händler besuchten wir vom 7. bis zum 11. März 2018 die israelische Großstadt Tel Aviv. Tel Aviv ist nach der Hauptstadt Jerusalem die zweitgrößte Stadt des vorderasischen Staates Israel und – dies werden wahrscheinlich nur wenige wissen – gleichzeitig der Motor der technischen Innovationen sowie ein Schmelztiegel von Startup-Unternehmen.

Bekannte Software aus Israel

Viber und Gett

Wir alle kennen und nutzen mit Sicherheit zahlreiche Programme und Applikationen, die aus Israel stammen, dessen wir uns aber nicht bewusst sind. Beispielsweise der beliebte Messaging-Dienst „Viber“ (vor allem in Osteuropa beliebt und dort mehr verbreitet als WhatsApp) oder die Taxi-App „Gett“ – ursprünglich „GetTaxi“ – sind nur zwei Beispiele von innovativer Software, welche aus Israel stammt. Während Gett vom US-Wirtschaftsmagazin Forbes zu einem der „15 Unternehmen mit dem explosivsten Wachstum“ gewählt wurde und seit Mai 2016 von der Volkswagen AG mit 300 Millionen US-Dollar unterstützt wird, gehört Viber mittlerweile dem japanischen Globalkonzern Rakuten und wurde am 14. Februar 2014 für 900 Millionen US-Dollar übernommen.

Tel Aviv Panorama

Panoramaaufnahme von Tel Aviv: Hier trifft moderne Architektur (rechts) auf traditionelle Bauten (links).

Waze

Auch das GPS-gestützte Navigationssystem mit Social-Media-Features für Smartphones namens „Waze“, das vom Startup-Unternehmen Waze Mobile entwickelt wird, wurde in Isreal erschaffen. Waze ist laut seinen Entwicklern „die weltweit größte community-basierende Verkehrs- und Navigations-App“.  Die App startete im Jahr 2006 als „FreeMap Israel“ und war nur auf israelische Straßen limitiert. Mittlerweile bildet Waze die Straßen von 13 Ländern komplett ab, die Straßennetze anderer Länder sind zwar auch enthalten, jedoch noch unvollständig. Trotzdem setzte sich Waze im Jahr 2013 auf dem Mobile World Congress gegen Dropbox, Flipboard und andere Apps durch und sicherte sich die Auszeichnung „Best Overall App“.  Google erkannte das Potenzial von Waze und kaufte das ganze Unternehmen im Juni 2013 laut Berichten für 1,3 Milliarden US-Dollar.

Mobileye

Ein letztes Beispiel in unserer Aufzählung von weltbekannter Software aus Israel bildet die Radartechnik „Mobileye“, welche  mit 180-Grad-Erkennung Fahrassistenzsysteme von üblichen PKW sowie selbstfahrende Autos unterstützt. Das Unternehmen wurde 1999 gegründet und stattet unter anderem Fahrzeuge von BMW, Hyundai, Kia oder Opel aus. Am 13. März 2017 gab der US-amerikanische Technologiekonzern Intel bekannt, das unternehmen für 15,3 Milliarden US-Dollar übernommen zu haben. Dies stellte die bis dahin größte Unternehmensübernahme in der israelischen Hightech-Industrie dar.

Die ersten Eindrücke unseres Reisenden

Der Reisende – Ümit Akbulut

Unser Globetrotter und gleichzeitig einer der Gründer der MOTION TM Vertriebs GmbH heißt Ümit Akbulut. Im Sinne der Firma und immer auf der Suche nach den neuesten Trends und Entwicklungen auf dem Mobilfunkmarkt ist Ümit „immer in Motion“.

Ümit Akbulut

Ümit Akbulut: Gründer der MOTION TM Vertriebs GmbH

Super Wetter, alle beschäftigt – sogar um Mitternacht

Super Wetter, 30 Grad Celsius. Alle nett und freundlich. Auffällig ist, dass alle Straßenbaustellen außerhalb von Wohnbereichen auch bei unserer Ankunft  um Mitternacht im Betrieb waren. Drei Schichten würde ich mir auch in Deutschland wünschen. Wir werden von Laurent Burdin begleitet, der Startup-Mentor und Digital Native ist. Die Agentur wird im Programm vorgestellt. Laurent verfolgt die Szene und auch kleine wie große Startup-Unternehmen persönlich.

Beeindruckende Startup-Szene

Die Startup-Szene auf einem Quadratkilometer Fläche ist beeindruckend und vor allem die Dichte an Unternehmen. Außergewöhnlich, was Israel da erschaffen hat. Es herrschen hier ganz klar andere Rahmenbedingungen als in Berlin oder Silicon Valley. Lösungen und Ideen werden meist global oder für den US-amerikanischen Markt erdacht. „Built for the World“, da der inländische Markt zu klein ist – nur 8,5 Millionen Einwohner. Startups aus Berlin testen in Deutschland und bei Ausweitung auf Frankreich, so erreichen sie dann ungefähr 150 Milionen Menschen. Startups aus Israel müssen ihre Lösungen an den globalen Markt adressieren, daher erhalten Sie sehr hohe Investitionen. Die israelische Tech-Szene ist sehr vom Militär geprägt. Die Militärzeit läuft hier streng nach Drill ab, bringt aber Leute zusammen. So entstehen Netzwerke fürs spätere Berufsleben. Viele Gründer waren zusammen beim Militär und haben sich dort kennengelernt.

Kaum natürliche Ressourcen, daher wird die Forschung priorisiert

Wichtig ist hier auch ein gutes Netzwerk von Universitäten. Die allgemeine lokale Bereitschaft für Innovationen ist vor allem für Geldgeber sehr attraktiv. Alles,  bis auf natürliche Ressourcen, liegt in Israel vor: Wissen, Expertise, Lernbereitschaft und noch mehr. Das Land besitzt wenige natürliche Ressourcen, mit denen gewirtschaftet werden kann, daher wird geforscht, kreiert und entwickelt.

In Coworking-Spaces passiert die „Magie“

Katalysator und Basis ist die hohe Dichte und Vernetzung der „Coworking Spaces“. Dort geschieht das meiste, dort wachsen Ideen. Voll ausgestattete Schreibtische in Einzel- oder Großraumbüros können für 80 bis 100 Dollar im Monat gemietet werden. All inclusive: Technische Ausstattung, Internet, Telefone, Computer, Mobiliar und alles, was zu einem voll ausgestatteten und modernen Büro dazugehört.

Die Zukunft des Shoppings – Syte.ai

Zwar nicht auf den Mobilfunksektor bezogen, aber ein Ausblick auf die Zukunft des Shoppings gibt das israelische Projekt „Syte.ai“. Durch Syte.ai ist es möglich, jedes Produkt auf jedem beliebigen Foto, online oder offline, mit dem Smartphone zu erkennen und augenblicklich zu kaufen. Nicht nur dass dadurch Käufe auf einfache Art und Weise getätigt werden können, Syte.ai trägt mit seinen Funktionen erheblich zur Kundenbindung bei. Syte.ai kombiniert Objekterkennung, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen und bietet dadurch Genauigkeit und Geschwindigkeit beim Einkaufen. Mit Syte.ai können Händler und Marken ihre Reichweite erweitern und die Welt zu einem interaktiven Katalog gestalten, in der jedes Produkt auf einem Bild sofort anklickbar und kaufbar wird.

https://youtu.be/X6XnXSVB8V4

Syte.ai wurde in der pulsierenden Stadt Tel Aviv von einem inspirierten Team entwickelt, welches das Ziel hatte, die visuelle Suchtechnologie zu perfektionieren. Die Kombination von maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz soll die Benutzer dazu befähigen, Bilder nicht nur zu sehen, sondern auch zu interagieren und zu erleben. Die Mission von Syte.ai ist, den Benutzern die Möglichkeit zu geben, die unbegrenzten Möglichkeiten zu nutzen, die in jedem Bild schlummern. Der Deep-Learning-Algorithmus, welcher im Hintergrund des Programms arbeitet, extrahiert automatisch jede Ebene eines Bildes und verwandelt die angezeigten Produkte in eine interaktive, einkaufbare Erfahrung ohne Tags, Text oder manuelle Arbeit.

Ein Investor gibt tiefe Einblicke

Kevin E. Baxpehler ist 40 Jahre alt, in Deutschland geboren und hat seine Jugend in Köln verbracht. Im Alter von 21 Jahren verschlug es den Unternehmer nach Israel. Kevin hat über zwölf Jahre Erfahrung als Unternehmer und ergebnisorientierte Führungskraft. Zuletzt hat er für die ProSiebenSat.1 Media SE in Israel investiert. Einige seiner Investitionen für die Mediengruppe sind Dynamic Yield, Magisto, Wochit sowie Minute Media. Er ist auch ein erfahrener Investor und Mentor für Startups und war Gründungsmitglied einiger Fintech-Unternehmen. Kevin arbeitete für die Gerson Lehrman Group an der Wall Street und war Investmentbanker für die Credit Suisse. Er hat einen BA in IT-Management vom IDC Herzliya, Israel, und einen MBA von der NYU Stern School of Business. Er ist Mentor im Zell-Entrepreneurship-Programm des IDC Herzliya.

Tief verwurzelt in die Startup-Szene von Isreal ist Kevin E. Baxpehler Gründer des Unternehmens Reimagine Ventures. Mit seinem Unternehmen verwaltet er Investments bekannter Medienunternehmen,  diverser Privatinvestoren und der mobilcom-debitel.

 

Kevin E. Baxpehler

Kevin E. Baxpehler: Unternehmer und Investment-Fond-Manager aus Israel.

Der Nachfolgende Text ist ein Auszug aus einem Interview mit Kevin E. Baxpehler.

Warum hat Israel so eine erfolgreiche Startup-Szene

Israel. Warum ist ein Land, das von der Größe her Hessen entspricht und sieben bis acht Millionen Einwohner zählt, zu solch einer Supermacht in gewissen Teilen der Hi-Tech-Szene geworden? Das Ganze hat bereits in den Achtzigern angefangen. Damals gab es ein Regierungsprogramm, in dem die Regierung zehn Venture-Capital-Fonds in Israel finanziell unterstützt hat. Man kann sagen, dass ungefähr 50 Prozent des Kapitals von der Regierung stammte. Mit diesen zehn Fonds fiel der Startschuss.

Keine Angst vor dem Scheitern

Die Israelis sind von Natur aus Bastler. Die Kultur ist hierzulande frech und offen. Menschen hier trauen sich sehr viel zu und haben keine Angst vor dem Scheitern. Scheitern gehört hier dazu und wird nicht als Schande empfunden. Kurzum gesagt sind die Israelis sehr risikobereit. Das ist eine gute Grundlage für Startups. Als Startup-Entrepreneur musst du risikobereit sein, du musst Regeln brechen und über den Tellerrand hinweg schauen. Durch diese kulturelle Basis ist Israel also bestens für Startups geeignet.

Die Armee spielt eine wichtige Rolle

Dann kommt hinzu, dass die Armee direkten Zugriff auf das beste ein Prozent der Schulgänger und Studenten hat. Diese Elite wird in die R&D-Einheit (Research and Development, deutsch: Forschung und Entwicklung) eingegliedert. Diese Talente durchlaufen dann eine dreijährige Militärlaufbahn, denn jeder hier ist verpflichtet, zu dienen. Die Guten bleiben darüber hinaus noch ein bis zwei Jahre beim Militär und beschreiten eventuell die Offizierslaufbahn. Das bedeutet, dass diese jungen Menschen bereits mit 22 Jahren 50 bis 100 Leute leiten. Mit 23 Jahren oder sogar noch jünger beschäftigen sich diese Talente mit Problemen, die das Land Israel beschäftigen. In der Armee genießen diese Menschen zudem die beste technische Ausbildung, die man weltweit genießen kann. Das bedeutet: Die Armee ist hier der wichtigste Inkubator und Katalysator für den daraus resultierenden Output der technischen Innovationen, die aus dem Land stammen.

Interessant für große Unternehmen

Es gibt in Israel über 350 internationale R&D-Forschungszentren aus der ganzen Welt. Facebook und Amazon sitzen direkt in Tel Aviv. Cisco, Intel, Oracle und weitere Global Player aus der IT-Szene sitzen alle hier. Sie arbeiten und forschen direkt vor Ort mit den Experten aus Israel. Lokale Startups werden recht früh aufgekauft, wenn sie erfolgsversprechend sind. Aus Deutschland hat beispielsweise Daimler im letzten Jahr enorme Summen in Israel investiert. Die Deutsche Telekom ist schon seit langem in Israel. SAP sitzt hier mit mehreren hundert Menschen. Siemens ist hier, Bosch ist hier. Das Gute hier ist die lokale Nähe. Wenn jemand eine gute Idee hat, dauert es keine zwei Wochen, bis er einen Termin bei einem großen Unternehmen bekommt, um seine Idee vorzutragen. Das macht den Unterscheid, denn diese Startups kriegen recht früh den Zugang zur Industrie und zu den Kunden, sodass sie direktes Feedback erhalten und somit die Möglichkeit, ihr Produkt anzupassen und den Bedürfnissen gerecht zu machen. So entstehen Partnerschaften oder auch Investments. In den letzten zehn Jahren gab es in Israel Exits* im Wert von 70 Milliarden US-Dollar.

* Anm. d. Red.: Ein Exit bedeutet nichts anderes, als dass die Investoren oder ursprünglichen Gründer bei einer guten Bewertung des Unternehmens ihre Unternehmensanteile, beispielsweise in Form eines Trade-Sales, verkaufen und zwar mit dem höchstmöglichen Gewinn.

Alle wollen Startup machen

Startup wird in Israel gelebt. Alles hier dreht sich um Startups. Im TV gibt es Startup-Shows, diese werden mehr geschaut als Fußballspiele. Jeder will hier ein Startup betreiben – der Taxifahrer, der Busfahrer, die Kindergärtnerin. Alle haben zumindest eine Startup-Idee. In Deutschland ist diese Mentalität noch nicht angekommen. Ich würde behaupten, dass 80 Prozent der Deutschen nicht einmal genau wissen, was Startup bedeutet. In Israel hat das bereits in den Achtzigern angefangen, in Deutschland ist diese Szene gerade erst in der Entstehungsphase. Es braucht dazu aber Erfolgsgeschichten und davon gibt es zur Zeit nur wenige. Als positives Beispiel kann man beispielsweise Zalando benennen. Es gibt natürlich auch noch andere, aber aktuell noch nicht so viele. Hier in Israel habe ich jeden Monat mehrere Erfolgsgeschichten. Der Startup-Markt hier boomt.

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